Hey Steffi, wie bist du eigentlich darauf gekommen, die Ausbildung zur GemeindeSchwester anzufangen?
Stephanie Rilke: Tatsächlich durch „Gemeinsam am Turm“. Wie einfach es ist, Menschen glücklich zu machen mit so einer Veranstaltung. Es geht gar nicht so sehr um die Bratwurst oder die Getränke, sondern darum, mal rauszukommen und unter Leute. Du gibst den Menschen einfach so viel zurück dadurch. Diese ganzen kleinen Erlebnisse, wenn plötzlich die Augen leuchten oder jemand dazukommt, der sich vorher nicht getraut hat. Das macht mich einfach glücklich, wenn andere Menschen glücklich sind.
Du bist aber ja noch in Ausbildung. Was heißt das und wie ist es dir damit bisher gegangen?
Stephanie Rilke: Das heißt, dass ich eben noch keine ausgelernte GemeindeSchwester bin. Davon gibt es derzeit auch einfach richtig wenige. In Witten im Mutterhaus wurde ich deshalb auch begeistert empfangen. Der erste Ausbildungsblock war zum Thema „Gottesdienst“. Das war sehr abwechslungsreich, wenn auch für mich nur bedingt interessant, da das in unserer Gemeinde nicht mein Aufgabengebiet ist. Wir sind hier in unserer Gemeinde einfach sehr gut aufgestellt, was Gottesdienste angeht. In anderen Gemeinden sieht das ganz anders aus. Deshalb gibt es unterschiedliche Schwerpunkte.
Und diese Schwerpunkte müsst ihr euch selbst aussuchen?
Stephanie Rilke: Ja, die suchen wir uns aus. Ich versuche mit den Terminen zum Kochen und Backen, Menschen verschiedenen Alters zusammenzubringen und somit auch Menschen anzusprechen, für die es bis jetzt in der Gemeinde nur wenige Angebote gibt. Gerade für Fünfzig- bis Sechzigjährige gibt es wenig Angebote zwischen Krabbelgruppe und Frauenhilfe. Außerdem will ich versuchen, Menschen aus Jakobus anzusprechen.
Da gab es ja auch einen Frühstückskreis…
Stephanie Rilke: Ganz genau! Und wenn sie jetzt nur einen Termin im Monat haben, zu dem sie kommen… Hauptsache es gibt so ein Angebot! Mein Ziel ist es, niederschwellige Angebote zu machen, bei denen alle mitmachen können, die Lust haben! Deshalb freue ich mich auch sehr, dass bethel.regional mit dabei ist. Die Menschen, die im Haus Von-der-Tann leben, kommen dazu und wollen sogar mithelfen. Vielleicht können sie Kaffee einschenken oder so. Das wäre großartig! Ich bin gespannt!
Nochmal zurück zu deiner Ausbildung. Ich kann mir vorstellen, dass „Gottesdienst“ als Einstiegsthema nicht ideal ist…
Stephanie Rilke: Das kommt daher, weil die Themenblöcke durchrotieren. Unabhängig davon, wann man mit der Ausbildung anfängt. Dafür habe ich dann die „Klassenfahrt“ ziemlich am Ende der drei Jahre. Das finde ich eigentlich ganz gut.
Ihr macht eine „Klassenfahrt“?
Stephanie Rilke: Ja. Oder „Kursfahrt“. Wir sind im ersten Lehrjahr im Moment aber nur zwei Leute. Es fahren dann also wahrscheinlich nur so sechs bis acht Leute mit. Aber es ist spannend, was die anderen aus ihren Gemeinden erzählen. Es gibt so große Unterschiede zwischen Stadt und Land zum Beispiel. Eine Kollegin hat ganz viele Dörfer, die alle weit auseinanderliegen. Dagegen liegt hier bei uns alles ziemlich nah beisammen. Auch der Stand der Ausbildung ist bei allen unterschiedlich. Wenn ich zum Beispiel die Vorbereitung der Frauenhilfe in Melanchthon übernehme, suche ich zurzeit noch Alltagsgeschichten und Alltagsthemen aus und nichts Theologisches. Damit fühle ich mich wohler. Vielleicht ändert sich das noch. Vielleicht auch nicht. Ich glaube, es erwartet auch keiner…
Stichwort Erwartungen… Bist du oft mit Erwartungen konfrontiert?
Stephanie Rilke: Bisher eigentlich nicht. Wenn jemand etwas hat, kann er mich gern anrufen. Wir können einen Termin machen und spazieren gehen oder uns auf eine Parkbank setzen und unterhalten. Aber ich mache keine Hausbesuche. Ich bin auch nicht für die Pflege zuständig oder so etwas. Wenn jemand so krank ist, dass er gar nicht mehr rausgehen kann und seelischen Beistand braucht, stelle ich gern den Kontakt zu einer unserer Pfarrerinnen oder unserem Pfarrer her. Bisher haben sich aber noch nicht viele Menschen gemeldet. Ich denke, das liegt auch daran, dass ich noch nicht bekannt genug bin in der Gemeinde.
Aber du bist ja nicht erst seit gestern hier…
Stephanie Rilke: Nächstes Jahr bin ich seit vierzig Jahren hier in der Gemeinde. Mein Mann Michael und ich haben eigentlich immer schon gern geholfen. Früher in Jakobus und vorher auch in Matthäus haben wir eigentlich immer was gemacht. Deshalb kenne ich schon einige Leute. Aber als GemeindeSchwester bin ich eben jetzt noch neu dabei. Das muss sich auch erst herumsprechen.
Dabei hilft sicherlich dieses Interview und die ersten Veranstaltungen im Rahmen deines neuen Projekts. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.
Stephanie Rilke: Immer gerne! Erreichbar bin ich per E-Mail unter stephanie.rilke@ekkdo.de oder per Telefon unter 0172|653 18 16.