Liebe Gemeinde,

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. Derzeit sind laut Angaben der UNO rund 117 Millionen Menschen auf der Flucht – mehr als jemals zuvor. Eine unfassbare Zahl. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es eben nicht einfach nur eine Zahl ist. Rund 117 Millionen Menschen – Individuen, mit eigener Geschichte, eigenen Interessen, Fähigkeiten, Ängsten und Träumen, Erwachsene und Kinder, Frauen und Männer und Diverse. Vertrieben aus ihrem Zuhause durch Kriege, Konflikte und Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Terror, Katastrophen, Hunger und Armut. Für die meisten endet die Flucht schon in direkten Nachbarländern. Selbst dann, wenn dort ebenfalls unsichere Verhältnisse vorherrschen. Sie hoffen darauf, irgendwann in ihre Heimat zurückkehren zu können. Vielleicht ja schon bald. Denn eines ist sicher: Niemand ist gerne auf der Flucht.

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Wer schon beim Gedanken an den eigenen Umzug ein gewisses Unbehagen verspürt, der stelle sich jetzt vor, er dürfe dabei nur etwa so viel mitnehmen, wie in den jährlichen Sommerurlaub.

Und dann geht es auch nicht unbedingt mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff ins Warme, sondern zu Fuß oder mit dem Schlauchboot, mitten in der Nacht, zusammen mit anderen Menschen, die man nicht kennt, querfeldein durch Gestrüpp, Geröll und Matsch oder über das Meer, ohne sicheren Boden unter den Füßen. Und egal wohin man dann kommt – wenn man denn irgendwo ankommt – ist man plötzlich fremd.

Deshalb gibt es den Weltflüchtlingstag: Damit wir nicht vergessen, dass es Menschen gibt, für die so ein Leben, wie es die meisten von uns führen – mit einem geregelten Alltag, Frühstück mit Kaffee oder Tee, Zeitung oder Handy, Kindergarten oder Schule und Arbeit oder Ruhestand, mit Sportverein und Netflix und einem Spaziergang durch die Innenstadt oder den Park – alles andere als selbstverständlich ist. Dass es Menschen gibt, die genau davon träumen: Von der Schule und der Arbeit, die uns vielleicht gerade nervt, und von dem Käsebrot und dem Fernsehprogramm, das uns vielleicht gerade langweilt.

Daran erinnert uns auch der Monatsspruch:

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! (Hebräer 13,3)

Wie es anderen Menschen ergeht, so kann es auch uns jederzeit ergehen. Manchmal fehlt nicht viel dazu – zum Guten wie zum Schlechten. Doch statt uns in Angst davor einzugraben und abzuschotten sind wir aufgerufen, unseren Blick und unser Herz offen zu halten – gerade deswegen, weil auch wir an der Stelle des oder der anderen stehen könnten. Und so nur werden Fremde einander zu Nächsten, wie Jesus es in dem bekannten Gleichnis vom sog. „Barmherzigen Samariter“ verdeutlicht hat. Aber diese Geschichte aus Lukas 10, 25–37 ist ja mit Sicherheit bekannt.

Ihre Pfarrerin Ronja Schönberg

Termine und Veranstaltungen

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Bilder: gemeindebrief.de

 

 

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